Eine kürzlich von Miller und Kollegen durchgeführte Studie in Mount Rainier Nationalpark (Washington, Vereinigte Staaten) zeigte, dass das Vorhandensein und die intensive Nutzung von Wanderwegen mit einem starken Rückgang der Artenvielfalt einhergehen. Flechten und Bryophyten Eine Gruppe nicht-vaskulärer Pflanzen, zu der Moose, Lebermoose und Hornmoose gehören, wird trotz ihrer fundamentalen Rolle im Ökosystem oft übersehen. Durch die Untersuchung dieser Pflanzengemeinschaften in verschiedenen Bereichen des Parks beobachteten die Forscher, dass die Artenvielfalt in der Nähe von Wanderwegen drastisch abnimmt und seltene Arten in von Besuchern stark frequentierten Gebieten sogar vollständig verschwinden können.
Die Studie wurde in vier stark frequentierten Bereichen des Parks durchgeführt. Die Forscher legten Transekte senkrecht zu den Wegen und Campingplätzen an, die sich bis zu 40 Meter von diesen erstreckten. Zusätzlich wurden Stichproben und gezielte Suchen durchgeführt, um seltene Arten zu erfassen.
Insgesamt wurden 475 Taxa erfasst, darunter 203 Flechten, 195 Moose und 77 Lebermoose. 24 dieser Arten gelten als potenzielle Schutzziele, einige sind weltweit nur von weniger als sechs Fundorten bekannt.

Die Ergebnisse zeigten ein klares Muster: Die Artenvielfalt nimmt mit zunehmender Entfernung von Wanderwegen stetig zu, und dieser Effekt ist selbst in mehreren zehn Metern Entfernung nachweisbar. In alpinen Gebieten waren Flechten und Moose in der Nähe von Wanderwegen am stärksten betroffen, während Lebermoose einen geringeren Rückgang aufwiesen. In Waldgebieten war der Trend ähnlich, wenn auch weniger ausgeprägt. Auch der Grad der Trittbelastung hatte einen starken Einfluss, da an von Besuchern häufiger frequentierten Orten die Artenvielfalt deutlich geringer war.
Neben der Entfernung zu Wanderwegen trugen auch Umweltfaktoren zur Erklärung der Verbreitung dieser Lebensgemeinschaften bei. Feuchtere, steilere und kältere Hänge mit höherer Felsbedeckung wiesen eine höhere Artenvielfalt und ein häufigeres Vorkommen seltener Arten auf, insbesondere in alpinen Gebieten. Die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften variierte erwartungsgemäß in Abhängigkeit von Variablen wie Hydrologie, Hangneigung, Wärmebelastung und Vegetationsbedeckung. Dennoch erklärten diese Faktoren nur einen Teil der beobachteten Variation, was darauf hindeutet, dass viele dieser Organismen äußerst spezifische ökologische Nischen besetzen, die in großflächigen Untersuchungen schwer zu erfassen sind.
Die Ergebnisse haben wichtige Konsequenzen für das Management von Schutzgebieten. Besonders stark waren die Auswirkungen in alpinen Gebieten, wo das langsame Wachstum von Kryptogamen die Erholung nach Störungen extrem verlangsamt. Seltene Arten kommen tendenziell in wenig gestörten Mikrohabitaten vor, was darauf hindeutet, dass Maßnahmen wie die Verlegung von Wanderwegen oder die Installation von erhöhten Stegen zur Schadensminderung beitragen könnten.
Was wie ein schmaler Streifen gestörten Bodens aussieht, kann sich ausbreiten und ganze Lebensgemeinschaften übersehener Organismen verändern. Angesichts der stetig steigenden Besucherzahlen besteht die Herausforderung nicht mehr nur im Schutz der Landschaften, sondern auch im Umgang mit den subtilen Belastungen, die wir auf sie ausüben. Der Schutz dieser Lebensgemeinschaften hängt nicht nur von der Erhaltung großer Gebiete ab, sondern auch davon, wo und wie wir uns in ihnen bewegen.
DER ARTIKEL::
Miller JED, Villella J, Kofranek D, Clark J. 2026 Die Anlage von Wanderwegen verringert die Flechten- und Moosvielfalt sowie das Vorkommen seltener Arten. Journal of Applied Ecology 63. https://doi.org/10.1111/1365-2664.70298
Portugiesische Übersetzung von Pablo O. Santos.
Titelbild: Peltigera extenuata by Benoit Renaud (Wikicommons).
