Die Genomgröße variiert beträchtlich über die Vielfalt des Pflanzenlebens hinweg. Obwohl die Genomgröße per Definition von genetischen Präsenz-/Abwesenheitsvarianten beeinflusst wird, die in Populationssequenzierungsstudien allgegenwärtig sind, wird die Genomgröße oft als intrinsische Eigenschaft einer Art behandelt. Becher et al. untersuchten die intra- und interspezifische Variation der Genomgröße in taxonomisch komplexen britischen Augentrost (Euphrasie, Orobanchaceae). Ihr Ziel war es, die Vielfalt der Genomgröße zu dokumentieren und die zugrunde liegenden evolutionären Prozesse zu untersuchen, die die Variation zwischen Individuen, Populationen und Arten prägen.

Das Team fand eine beträchtliche intraspezifische Variation der Genomgröße und beobachtete die Isolierung nach Entfernung für die Genomgröße bei sich auskreuzenden Diploiden. Tetraploid Euphrasie zeigten gegensätzliche Muster, wobei die Genomgröße mit dem Breitengrad der Auskreuzung zunahm Euphrasia arctica, aber mit geringer Variation der Genomgröße in den stark selbstsüchtigen Euphrasia micrantha. Die interspezifischen Unterschiede in der Genomgröße und den genomischen Anteilen an Wiederholungssequenzen waren gering.
Becher et al. zeigen den Nutzen der Behandlung der Genomgröße als Ergebnis polygener Variation. Wie andere Arten der genetischen Variation, wie z. B. Einzelnukleotid-Polymorphismen, kann die Variation der Genomgröße durch die anhaltende Hybridisierung und das Ausmaß der Populationsunterteilung beeinflusst werden. Zusätzlich zur Selektion auf assoziierte Merkmale wird die Genomgröße voraussichtlich indirekt durch die Selektion aufgrund der Pleiotropie der zugrunde liegenden Präsenz-/Abwesenheitsvarianten beeinflusst.
FORSCHUNGSARTIKEL
Becher, H., Powell, RF, Brown, MR, Metherell, C., Pellicer, J., Leitch, IJ, Twyford, AD, 2021. The nature of intraspecific and interspecific genome sizevariation in taxonomisch komplexen Augentrost. Annals of Botany. https://doi.org/10.1093/aob/mcab102
