Ein Rätsel verbirgt sich im Duft von Narcissus viridiflorus. Diese Narzisse hat nicht nur eine ungewöhnliche Farbe – sie ist die einzige Narzissenart mit grünen Blüten – sie hat auch einen ungewöhnlichen Duft oder vielmehr ein ungewöhnliches Gespür für die richtige Zeit. Losch & Weigend haben herausgefunden, dass sie ihren Duft nachts verströmt, wenn ihr mutmaßlicher Bestäuber schläft. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass Wissenschaftler haben nicht den richtigen Bestäuber für die Pflanze identifiziert.
Losch & Weigend verfolgten die Duftemissionen von drei Narzissen und verwendeten Gaschromatographie-Ionenmobilitätsspektrometrie, um die Chemie zu untersuchen. Sie taten dies 72 Stunden lang, um zu sehen, wie sich die Duftemissionen im Laufe der Zeit veränderten. Auf diese Weise konnten sie herausfinden, ob die Pflanzen ihre Bemühungen, einen bestimmten Bestäuber zu fangen, zeitlich aufeinander abstimmten.
Sie haben das gefunden Narcissus viridiflorus zeigten starke nächtliche Duftemissionen, deren Höhepunkt um Mitternacht lag. Im Gegensatz dazu Narzisse papyraceus und Narcissus cantabricus hatten keine klaren Tag-Nacht-Duftmuster. Insbesondere stellten die Botaniker fest, dass in Narcissus viridiflorus p-Kresol und Benzylacetat machten nachts einen deutlich größeren Anteil des Duftes aus.
Dies ist ein Rätsel, denn man ging davon aus, dass die Bestäubung der Pflanze durch Makroglossum stellatarum, der Taubenschwänzchen. Das Problem dabei ist, dass Makroglossum stellatarum ist nachmittags und am frühen Abend aktiv. Wenn der Duft für sie bestimmt ist, ist es immer zu spät. Losch & Weigend vermuten, dass der Duft auf einen Mottenbestäuber hinweist – allerdings nicht auf diesen.
Losch, F., & Weigend, M. 2024. Tagesrhythmen der flüchtigen Blütenstoffemission bei drei Narzissenarten. American Journal of Botany 111: e16408. https://doi.org/10.1002/ajb2.16408 (OA)
