Bei tierbestäubten Pflanzen ist die direkte und indirekte Selektion auf große und kleine Blüten bei überwiegend auskreuzenden bzw. sich selbst bestäubenden Arten eine häufige Folge der Pollenlimitierung (PL). Viele hermaphroditische Arten zeigen jedoch ein gemischtes Paarungssystem, das als verzögerte Selbstbefruchtung bekannt ist und nur dann eine reproduktive Sicherheit (RA) bietet, wenn keine Auskreuzung erfolgt. Obwohl erwartet wird, dass RA die bestäubervermittelte Selektion hin zu größeren Blüten reduziert, werden die Folgen einer verzögerten Selbstbefruchtung für die Selektion auf die Blütengröße bei gemischten Paarungsarten übersehen. Teixido und Aizen untersucht, ob RA die Selektion auf die Blütengröße in schwächt tuberaria guttata, ein einjähriges Kraut mit gemischter Paarung.

Der Besuch von Bestäubern nahm zu und RA nahm mit der Blütengröße in allen Populationen ab. Eine Erhöhung der RA verminderte aber nicht vollständig die PL aufgrund einer früh wirkenden Inzuchtdepression. In der am wenigsten besuchten und am stärksten pollenbegrenzten Population steigerte RA die Samenproduktion um >200 % und wirkte damit der starken Bestäuber-vermittelten Selektion auf größere Blumenkronen intensiv entgegen. In der meistbesuchten Population erhöhte RA die Samenproduktion jedoch nur um durchschnittlich 9 %. Diese Population wies den größten Anteil an Individuen auf, die eine Abnahme der Samenproduktion aufgrund von Selbstbefruchtung und die schwächste bestäubervermittelte Selektion auf die Blütengröße zeigten.
Die Ergebnisse legen nahe, dass das Gleichgewicht zwischen dem Ausmaß von RA und Auskreuzung dazu beiträgt, die Blütengröße in gemischten Paarungssystemen zu bestimmen. Die Bestäuber-vermittelte Selektion begünstigt größere Blüten durch vermehrte Auskreuzung von Samen, aber die Vorteile von RA verringern diesen Effekt erheblich, insbesondere unter strengen Bedingungen der Pollenbeschränkung. Ihre Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass ein gemischtes Paarungssystem bei ausreichender Bestäuberversorgung eine „evolutionäre Falle“ darstellen kann.
