Eine häufige Frage ist, ob Apps zur Pflanzenidentifizierung gut sind und welche die beste ist. Ich habe iNaturalist empfohlen, da es eine hilfreiche Community und sachkundige Menschen gibt, die bei der Identifizierung helfen. Aber die Korrespondenz in Mensch & Natur von Michael Rzanny und Kollegen legt nahe, dass die Maschinen sind in ihrer Genauigkeit dem Menschen unglaublich nahe. Sie untersuchten 842 Fotos von Pflanzen, die Experten bereits identifiziert hatten, und testeten sie mit einer kostenlosen App namens Flora Incognita. Die Ergebnisse zeigten, dass die App Pflanzen in 98.8 % der Fälle richtig benennen konnte – weitaus besser als bisher angenommen. Dies eröffnet die Möglichkeit, Herbarien erneut auf Fehler zu scannen.
Als Testmaterial verwendete das Team Fotos, die bereits von professionellen Botanikern identifiziert worden waren. Drei Pflanzenexperten überprüften Fälle, in denen die Identifizierung der App nicht mit der ursprünglichen Bezeichnung übereinstimmte. Bei besonders kniffligen Pflanzen wie der Gattung Alchemillazogen sie weitere Spezialisten zu Rate. Von den 842 Fotos lag Flora Incognita bei 819 Arten definitiv richtig, bei acht definitiv falsch. Bei den restlichen 14 Arten konnten sich die Experten nicht sicher sein, ob die App falsch lag.
Frühere Studien hatten gezeigt, dass Apps zur Pflanzenidentifizierung weniger genau sind. Die besten Apps ermittelten etwa 87 % der richtigen Identifizierungen. Die verbesserte Genauigkeit könnte zwei große Gründe haben. Erstens könnten die Apps besser werden. Zweitens stellten Rzanny und Kollegen fest, dass verschiedene Apps unterschiedliche Pflanzennamen verwenden, was den Eindruck erwecken kann, dass sie falsch sind, obwohl sie eigentlich richtig sind und nur alte Synonyme verwenden. Die erstaunliche Genauigkeit macht den Menschen jedoch noch nicht irrelevant. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Verwendung von Fotos ein Schwachpunkt ist.
Ein Botaniker, der Pflanzen im Feld identifiziert, verwendet verschiedene Ansätze gleichzeitig, darunter Schlüssel, diagnostische Merkmale und implizites Wissen. Im Gegensatz dazu bietet ein einzelnes Bild, das einer Identifikations-App präsentiert wird, nur eine begrenzte zweidimensionale Perspektive einiger Eigenschaften der Pflanze. Bilder können wichtige Pflanzenteile und -strukturen klar darstellen, müssen es aber nicht, und viele der zusätzlichen Informationsquellen (Geruch, Standort, Bodeneigenschaften, umgebende Pflanzengemeinschaft, Jahreszeit) stehen für den Identifikationsprozess nicht zur Verfügung.
Rzanny, M., Bebber, A., Wittich, H. C., Fritz, A., Boho, D., Mäder, P. & Wäldchen, J. (2024). Mehr als nur schnelle Bestimmung – Kostenlose Pflanzenbestimmungs-Apps können auch sehr genau sein. People and Nature. https://doi.org/10.1002/pan3.10676 (OA)
