In Pfirsich (Prunus persica)-Bäumen können je nach Zeitpunkt ihres Auftretens drei Arten von Trieben unterschieden werden: syleptisch, proleptisch und epikormisch. Bei proleptischen Trieben durchschnittlich zehn Phytomere werden in ruhenden Knospen vor dem Sprosswachstum nach dem Knospenbruch vorgeformt, wohingegen alle Phytomere in sylleptischen und epikormischen Sprossen als neugebildet gelten.

Beiläufige Beobachtungen zeigten jedoch, dass proleptische und syleptische Sprossen trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft in Bezug auf die Anzahl der Phytomere und die Struktur ziemlich ähnlich erscheinen. Das Ziel dieser Forschung war es, die Hypothese zu testen, dass sowohl proleptische als auch syleptische Triebe ähnliche Wachstumsmerkmale aufweisen, indem ihre Knotenzahlen und Knospen-Schicksalsmuster analysiert wurden. Wenn ihre Wachstumseigenschaften ähnlich sind, würde dies darauf hindeuten, dass die Struktur beider Arten von Sprossen hauptsächlich unter genetischer und nicht unter Umweltkontrolle steht.
Prats-Llinàs et al. zeigen, dass die Anzahl der Phytomere und Knospenverhaltensmuster der beiden Arten von Trieben ähnlich sind, obwohl proleptische Triebe früher in der Saison zu wachsen begannen als syleptische Triebe.
Diese Studie liefert starke Beweise für die semideterministische Natur von sowohl proleptischen als auch sylleptischen Trieben bei vier Pfirsichsorten in Bezug auf die Anzahl der Phytomere und die Muster des Schicksals der Knospen entlang der Triebe. Es ist offensichtlich, dass die Gesamtstruktur von Sprossen mit einer ähnlichen Anzahl von Phytomeren für die beiden Sprosstypen unter ähnlicher genetischer Kontrolle stand. Das Verständnis der strukturellen Merkmale von Sprossen kann bei der phänotypischen Charakterisierung des vegetativen Wachstums von Bäumen helfen und eine Grundlage für das vegetative Management von Obstbäumen im Gartenbau schaffen.
