Bewertungen von ökoevolutionären Mechanismen, die die genetische Struktur von Populationen prägen, sind wichtig, um den Einfluss von Umweltveränderungen auf Pflanzenökosysteme zu verstehen. In den letzten Jahren haben molekulare Marker unsere Fähigkeit zur Bewertung der genetischen Differenzierung innerhalb und zwischen Arten erheblich verbessert. Aufgrund der Genomkomplexität und des begrenzten Zugangs zu geeigneten genomischen Ressourcen bleiben phylogenetische Untersuchungen jedoch eine Herausforderung, insbesondere bei vielen Nicht-Modellpflanzenarten. Bewertungen von Artengrenzen und ihrer zugrunde liegenden Populationsstruktur sind nicht nur erforderlich, um das taxonomische Wissen zu verbessern, sondern auch um die Entscheidungsfindung bei der Erhaltung gefährdeter Baumarten angemessen zu leiten

In einer kürzlich in AoBP veröffentlichten Studie Łabiszak et al. verwendeten neu entwickelte mitochondriale DNA-Marker, um die Beziehung zwischen drei eng verwandten europäischen Kiefernarten zu untersuchen (Pinus uliginosa, Pinus Mugo und Kiefer uncinata). Die Studie konzentrierte sich speziell auf die Bewertung der genetischen Struktur von Pinus uliginosa– eine Torfmoorkiefer, die einzigartig an nährstoffarme Moorumgebungen angepasst ist und aufgrund von Umweltveränderungen und Lebensraumverlust stark gefährdet ist. Überraschenderweise fanden die Autoren Hinweise auf eine starke Differenzierung zwischen benachbarten Populationen dieser Art und auch Signaturen von Hybridisierungsereignissen, die ihren heutigen Genpool prägen. Diese Ergebnisse verbessern das aktuelle taxonomische Wissen in den untersuchten Bereichen Pinus Mugo komplex und könnte auch als Grundlage für die Entwicklung erfolgreicher Erhaltungsstrategien für Torfkiefern dienen.
Forscher-Highlight

Bartosz Łabiszak erwarb einen BSc- und einen Master-Abschluss in Biologie an der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań, Polen. Seit 2016 promoviert er in Biologie unter der Leitung von Dr. Witold Wachowiak, ebenfalls in Poznań.
Bartosz interessiert sich für Populationsgenetik, Phylogeographie und Artbildungsgeschichte von Waldbaumarten, insbesondere solchen mit kleinen und fragmentierten Populationen. In seiner Promotion untersucht er Signaturen von Speziations- und Hybridisierungsphänomenen in Pinus MugoKomplex und seine nahen Verwandten.
