In vielen Regionen der Welt, Klimawechsel führt zu geringeren Niederschlägen und erhöhter Trockenheit. Lokale Mikroklimata können in einigen Fällen einen Puffer gegen diesen Effekt bieten. Diese Mikroklimata schaffen Lebensrauminseln, in denen die Vegetation anders und abwechslungsreicher ist als in den umliegenden Gebieten. Allerdings können verringerte Niederschläge in der Umgebung von Habitatinseln die ankommende Ausbreitung einschränken, was möglicherweise zu einem Bevölkerungsrückgang und Artenverlust führen kann.
Ein Beispiel für ein solches System ist das isolierte Lomas-Gemeinschaften der Atacama-Wüste in Chile, die von ständigem Nebel aufrechterhalten werden, die aber entlang eines Niederschlagsgradienten von semiarid bis hyperarid existieren. Pflanzen in ariden Umgebungen nutzen verschiedene Eigenschaften, wie z. B. kleine, dickere Blätter oder sehr zähe, langlebige Blätter, um in ihrem Lebensraum zu überleben.

In einem neuen Artikel, erschienen in Annals of Botany, machten sich Hauptautorin Gisela C. Stotz und Kollegen auf den Weg, um herauszufinden ob verminderte Niederschläge zu einem Verlust an funktioneller Vielfalt führen, wenn Artenverluste merkmalsbasiert sind oder wenn funktionale Vielfalt dank funktionaler Redundanz erhalten bleibt, was zu erwarten ist, wenn Verluste stochastisch oder zufällig sind. Die Gruppe untersuchte sechs Lomas-Gemeinden entlang eines 500 km langen Niederschlagsgradienten und bestimmte das Niveau der funktionalen Vielfalt und Redundanz jeder Gemeinschaft.
Die Forscher stellten fest, dass abnehmende Niederschläge tatsächlich mit einer geringeren Artenvielfalt und -häufigkeit einhergingen. Trotzdem zeigten keine funktionellen Merkmale oder Strategien eine konsistente Zu- oder Abnahme in Abhängigkeit von den Niederschlagsmengen, was darauf hindeutet, dass der Artenverlust zufällig erfolgte. Die funktionelle Diversität blieb an jedem Standort konstant, wenngleich die funktionelle Redundanz an den trockeneren Standorten geringer war. Dies legt nahe, dass die verloren gegangenen Arten funktionell redundant waren, trockenere Gemeinschaften jedoch über weniger redundante Reserven verfügen, die verloren gehen könnten. Diese Ergebnisse zeigen, dass geringere Niederschläge Habitatinseln indirekt durch Isolation und die Verringerung des Zustroms von Diasporen beeinflussen, der Verlust jedoch eher zufällig als funktionell bedingt ist. Dadurch kann die funktionelle Redundanz der Arten in der Gemeinschaft als Puffer gegen den Verlust an funktioneller Diversität wirken. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Lomas-Gemeinschaften gegenüber Umweltveränderungen widerstandsfähig sind und somit ihre funktionelle Diversität trotz der im Zuge des Klimawandels in der Region zu erwartenden geringeren Niederschläge bewahren können“, schreiben die Autoren. „Allerdings wurde in der Untersuchungsregion ein Rückgang der Wolkenbedeckung dokumentiert, der die Rolle der Lomas als Habitatinseln gefährden könnte.“
