Pflanzen sind unglaublich vielfältig, und das gilt auch für Botaniker! Botany One hat es sich zur Aufgabe gemacht, faszinierende Geschichten über die Pflanzenwelt zu verbreiten und stellt Ihnen auch die Wissenschaftler vor, die hinter diesen großartigen Geschichten stehen.

Heute begrüßen wir Dr. Liedson Carneiro, einen brasilianischen Bestäubungsökologen, der kürzlich zum Assistenzprofessor an der Southwestern Oklahoma State University (USA) ernannt wurde. Carneiros Forschungsinteressen reichen von der Blütenbiologie und -evolution bis hin zu Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen und der Bestäubung von Nutzpflanzen. Sie können seine Forschung auf seiner Website verfolgen. persönlichen Website.

Carneiro hält während eines Kurses über Bienen im Jahr 2023 ein Bienenmodell. Foto von Liedson Carneiro.

Was hat Ihr Interesse an Pflanzen geweckt?

Mein Interesse an der Interaktion zwischen Pflanzen und Bestäubern begann während meines Studiums, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, wie faszinierend die Fortpflanzung von Pflanzen ist. Zunächst interessierte ich mich für Blütenmorphologie und Pflanzentaxonomie, doch schnell interessierte ich mich mehr für die Funktionsweise von Blüten. Diese Neugier verstärkte sich, als ich eine entomologische Sammlung erkundete und die unglaubliche Vielfalt von Bienen und anderen Bestäubern entdeckte. Eine der ersten Personen, die mir die Augen für die Schönheit der Blütenvielfalt öffnete, war Prof. Dr. Rita Baltazar Lima (in memoriam), deren Vorlesungen im Grundstudium einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen. Meine Leidenschaft wuchs noch, als ich erfuhr, wie Bestäuber durch ihr Verhalten und ihre Morphologie Blütenmerkmale prägen können.

Was hat Sie motiviert, Ihrem aktuellen Forschungsgebiet nachzugehen?

Während meiner Doktorarbeit habe ich in saisonalen tropischen Umgebungen, insbesondere Trockenwäldern, großräumig geforscht. Mein Schwerpunkt lag auf Blütenölsystemen und der bestäubervermittelten Selektion. Dabei wurde mir bewusst, wie dynamisch und kontextabhängig Bestäubungssysteme sind. In den letzten Jahren habe ich meine Forschung auf die Gemeinschaftsebene ausgeweitet und dabei Netzwerktheorie, großflächige Felddatenerhebung und zunehmend anspruchsvollere ökologische Analysen einbezogen. Dieser integrative Ansatz hat mir geholfen, sowohl die kleinräumigen Mechanismen als auch die großräumigen Muster, die diese Interaktionen strukturieren, besser zu verstehen. Bis heute bin ich von der Schönheit, Komplexität und Relevanz der Interaktionen zwischen Pflanzen und Bestäubern tief beeindruckt. Meine Forschung stützt sich heute auf drei starke Säulen – Evolutionsökologie, Gemeinschaftsökologie und angewandte Ökologie – die alle zu einem umfassenderen Verständnis bestäubervermittelter Prozesse beitragen.

Welcher Teil Ihrer Arbeit im Zusammenhang mit Pflanzen gefällt Ihnen am besten?

Am meisten Freude bereitet mir die Beobachtung von Blumen und Bienen in ihrer natürlichen Umgebung. Ob in trockenen Tropenwäldern, kalifornischen Serpentinquellen oder landwirtschaftlichen Landschaften – ich finde es äußerst bereichernd zu beobachten, wie Blumen funktionieren: wie sie sich öffnen, welche Belohnungen sie produzieren und wie sie mit Tieren interagieren, die sie besuchen. Diese Beobachtungen der Naturgeschichte aus erster Hand haben mein wissenschaftliches Denken geprägt und bilden bis heute die Grundlage für meine Fragen.

Es macht mir auch Spaß, Muster aufzudecken, die im Feld nicht sofort sichtbar sind. Daten zu sammeln, ökologische und evolutionäre Trends zu analysieren und Experimente zu entwerfen, die verborgene Dynamiken in der Interaktion zwischen Pflanzen und Bestäubern aufdecken, ist intellektuell spannend. Es ist ein einzigartiges Erlebnis, herauszufinden, wie Bestäuber die Blütenvielfalt beeinflussen, Pflanzengemeinschaften prägen und zu Ökosystemdienstleistungen wie der Nahrungsmittelproduktion beitragen.

Carneiro während der Feldarbeit im Parque Nacional Catimbau (Pernanbuco, Brasilien). Foto von Liedson Carneiro.

Welchen Rat würden Sie jungen Wissenschaftlern geben, die eine Karriere in der Pflanzenbiologie anstreben?

Ich halte es für unerlässlich, ein solides Fundament in Naturgeschichte zu legen. Die Beobachtung von Organismen in ihrer Umgebung und das Verständnis ihrer Eigenschaften und Verhaltensweisen schärft die Intuition und hilft, sinnvolle Fragen zu stellen. Doch Naturgeschichte allein reicht nicht aus. Ebenso wichtig ist es, solide Stichprobenstrategien zu entwickeln, präzise Daten zu erheben und ein gutes Verständnis für Statistik und Modellierung zu entwickeln. Diese Werkzeuge helfen, Muster aufzudecken und fundierte Schlussfolgerungen zu ziehen.

Die Auseinandersetzung mit klassischer und zeitgenössischer Literatur ist ebenfalls entscheidend. Wissenschaftlicher Fortschritt verläuft nicht linear, sondern spiralförmig. Innovationen entstehen oft durch die Überprüfung alter Hypothesen mit neuen Methoden und Perspektiven.

Suchen Sie während Ihrer Ausbildung nach vielfältigen Mentoren. Unterschiedliche Mentoren eröffnen Ihnen verschiedene Perspektiven, Herangehensweisen und Kompetenzen in diesen Forschungsfeldern, die Ihre Entwicklung bereichern werden. Scheuen Sie sich nicht, Ihre Komfortzone zu verlassen, sei es durch das Erlernen neuer Methoden oder die Arbeit in anspruchsvollen Umgebungen. Sie werden sich anpassen, und denken Sie daran: Perfektionismus hat in der Natur keinen Platz. Wachstum entsteht durch Ausprobieren, Lernen aus Fehlern und Beharrlichkeit. Seien Sie geduldig und feiern Sie kleine Erfolge. Evolutionsökologie und Bestäubungsbiologie sind Forschungsfelder mit tiefen theoretischen Wurzeln und dringender praktischer Relevanz. Unabhängig von Ihrem Schwerpunkt: Ihre Arbeit ist wichtig und kann nachhaltig wirken.

Carneiro während der Feldarbeit im Parque Nacional Catimbau (Pernanbuco, Brasilien). Foto von Liedson Carneiro.

Carlos A. Ordóñez-Parra

Carlos (er/ihn) ist ein kolumbianischer Saatgutökologe, der derzeit an der Universidade Federal de Minas Gerais (Belo Horizonte, Brasilien) promoviert und als Wissenschaftsredakteur bei Botany One und als Kommunikationsbeauftragter bei der International Society for Seed Science arbeitet. Sie können ihm auf BlueSky unter @caordonezparra folgen.