Seit Generationen beobachten Förster ein merkwürdiges Phänomen: Bestimmte Bäume wachsen besser, wenn sie neben anderen Arten gepflanzt werden. Nun haben Forschungsarbeiten von Zhou und Kollegen die verborgenen Mechanismen hinter diesem „Pflegeeffekt“ enthüllt. Sie untersuchten, wie sich unterschiedliche Baumkombinationen auf das Wachstum der Sitka-Fichte, Großbritanniens wichtigstem Nutzholzbaum, auswirkten. Sie fanden heraus, dass Kiefern helfen, nützliche Bodenpilze zu fördern, die den jungen Fichten helfen können.

Die Wirkung war groß. Sitka-Fichtensetzlinge wuchsen bis zu 60 % mehr, wenn sie in Erde gepflanzt wurden, die zuvor von Waldkiefern besiedelt war. Das gesteigerte Wachstum korrelierte mit einer Verdoppelung der Wurzelbesiedlung durch nützliche Ektomykorrhizapilze – von etwa 20 % in reinem Fichtenboden auf über 40 % in mit Kiefern bewachsenem Boden. Diese Pilze halfen den Setzlingen, indem sie ihnen den Zugang zu Nährstoffen erleichterten, insbesondere indem sie Phosphor in die jungen Bäume umwandelten.

Die Forscher entwickelten ein zweiteiliges Experiment im Cannock Chase Forest in Großbritannien, um einen Blick in das verborgene Leben der Waldböden zu werfen. Zunächst pflegten sie 34 Wochen lang sorgfältig verschiedene Baumkombinationen – Fichten, Kiefern, Birken oder alle drei zusammen. Anschließend pflanzten Zhou und Kollegen Fichtensetzlinge in diese „konditionierten“ Böden. Anschließend beobachteten sie das Wachstum der Setzlinge 24 Wochen lang und maßen alles von Wurzelmustern bis hin zu Pilzverbindungen.

Die Ergebnisse werden Förster nicht überraschen. Es ist seit langem bekannt, dass vielfältige Wälder oft dort gedeihen, wo Plantagen mit nur einer Art Probleme haben. Der Wert dieser Forschung liegt darin, dass sie erklärt, warum. Ein Wald besteht aus mehr als nur vielen Bäumen. Es sind Gemeinschaften, in denen Arten auf viele verschiedene Arten miteinander interagieren. Mit einer theoretischen Grundlage dafür, wie sich diese Arten gegenseitig helfen, gibt es nun eine Grundlage, um herauszufinden, wie sich Artenmischungen gegenseitig helfen können.

Zhou, Y., Tao, T., Cox, F., & Johnson, D. (2024). Wechselwirkungen zwischen Pflanze und Boden steuern den „Nähreffekt“ bei der Sitka-Fichte. Journal of Applied Ecology. https://doi.org/10.1111/1365-2664.14848 (FREI)


Cross-Posting auf Bluesky & Mastodon.

Cover: canva.