Doldenblütler, eine Pflanzenfamilie, zu der auch Karotten gehören, haben auffällige Blütenstände an Stielen. Botaniker haben gedacht, Doldenblütler seien Generalisten gewesen. Sie locken mit ihren Blüten viele verschiedene Insektenarten an. Aber stimmt diese Annahme? Zych und Kollegen haben sich aktuelle Studien angesehen, die zeigen, dass nur wenige Insekten die effektivsten Bestäuber sind. Die Wissenschaftler fragten sich, ob Populationen von Doldenblütlern unterschiedliche Bestäubergruppen aufweisen. Sie fragten auch, ob eine Variation in einer Bestäuber-Ansammlung mit unterschiedlichen Blütenmerkmalen verbunden sei. Wenn ja, wie hat es die Fortpflanzung beeinflusst?

Der Fokus lag auf Angelika Sylvestris, wilde Engelwurz. Dies ist eine häufige europäische Art, die von einer taxonomisch vielfältigen Insektengemeinschaft besucht wird. Die Botaniker verfolgten drei Populationen entlang eines 700 km langen Transektes. Sie beobachteten die Pflanzen über drei Wachstumsperioden hinweg. Das Team identifizierte Insektenbesucher und untersuchte die Pollenbelastung auf den Insektenkörpern, um zu sehen, wie effektiv sie waren. Sie verfolgten die Aktivität von Insekten auf Pflanzen und spürten Dolden, Nektar und Duftzusammensetzung auf. Sie führten auch einige Transplantationsexperimente durch.
Zych und Kollegen fanden heraus, dass die verschiedenen Angelica-Populationen unterschiedliche Nektar- und Duftprofile aufwiesen. Trotz der ähnlichen taxonomischen Zusammensetzung der Insektenbesuchergruppen wurden die Populationen effektiv von verschiedenen Insekten bestäubt. An einigen Stellen Fliegen, an anderen Stellen Käfer. Dies deutet auf lokale Anpassungen an die effektivsten Bestäuber hin. Analysen der Körperpollenbelastung und des Verhaltens auf Dolden zeigten jedoch eine funktionelle Äquivalenz der Morphogruppen der Besucher. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass A. sylvestris nur wenige Samenanlagen pro Blüte trägt. Als die Wissenschaftler die Pflanzen umpflanzten, geschah etwas Seltsames. Oder vielleicht nicht geschehen. Die Insekten zeigten keine Präferenz gegenüber lokalen Genotypen.
Zych et al. schließen daraus, dass Angelica sylvestris morphologisch gut an die ökologische Verallgemeinerung angepasst ist. Sie finden kaum Hinweise darauf, dass die untersuchten Populationen unterschiedliche Bestäubungsökotypen darstellen. Stattdessen, so argumentieren sie, könne die beobachtete Variation der floralen Merkmale als „adaptives Wandern“ interpretiert werden.
