Da immer mehr Menschen in Städten leben, nimmt der alltägliche Kontakt zur Natur ab. Das bedeutet weniger Gelegenheiten, die lebendige Welt um uns herum wahrzunehmen, mit ihr zu interagieren und sich mit ihr vertraut zu machen.Aussterben der ErfahrungDie sogenannte „Biodiversitätskrise“, wie Forscher sie gerne nennen, ist alles andere als trivial: Wenn die Menschen immer weniger mit Wildtieren vertraut sind, sind sie möglicherweise weniger bereit, Naturschutzinitiativen zu unterstützen oder ihre eigenen Grünflächen so zu bewirtschaften, dass die Biodiversität gefördert wird.

Diese Idee knüpft an die Biophilie an, die menschliche Neigung, sich durch positive Emotionen wie Mitgefühl und Schönheitssinn zur Natur hingezogen zu fühlen. Frühere Studien haben gezeigt, dass diese Reaktionen je nach Alter, Geschlecht und vorherigem Naturkontakt stark variieren. Hier kommen Gärten ins Spiel. Hausgärten machen einen überraschend großen Anteil der städtischen Grünflächen aus und bieten vielen Menschen regelmäßigen, unmittelbaren Kontakt zu Vögeln, Insekten, Würmern und anderen Lebewesen. Frühere Forschungen legten nahe, dass Gartenarbeit mit positiveren Gefühlen gegenüber der Tierwelt einhergeht. Unklar bleibt jedoch, ob verschiedene Arten der Gartenarbeit diese Gefühle unterschiedlich prägen.

In einer aktuellen StudieQuentin Duterte und seine Kollegen befassten sich mit dieser Frage in Mensch und Natur Dazu befragten die Forscher 1,000 Personen in Frankreich zu ihren Naturerlebnissen und ihren emotionalen Reaktionen auf 53 Tierarten. Die Stichprobe umfasste sowohl Gartenbesitzer als auch Gartenlose, sodass die Forscher die beiden Gruppen vergleichen konnten, anstatt sich nur auf passionierte Gärtner zu konzentrieren.

Den Teilnehmenden wurden Fotos von Tieren gezeigt, und sie wurden nach ihren Gefühlen dazu befragt. Die Studie umfasste 53 Bilder von 48 Tierarten, darunter Vögel, Säugetiere und verschiedene Wirbellose wie Schnecken, Regenwürmer und Insekten. Bei den Wirbellosen gruppierten die Forschenden die Arten zudem nach ihrer Funktion im Gemüsegarten: Einige bestäuben Pflanzen, andere helfen beim Abbau organischer Stoffe, wieder andere sind natürliche Feinde von Schädlingen und manche gelten selbst als Schädlinge. Jede Person bewertete fünf zufällig ausgewählte Bilder und gab an, wie schön, furchterregend oder abstoßend das jeweilige Tier wirkte und wie motiviert sie wäre, es im Notfall zu retten. Die Forschenden fassten diese Antworten anschließend zu einem „Biophilie-Index“ zusammen, einem allgemeinen Maß für positive oder negative Gefühle gegenüber dem abgebildeten Tier.

Die Umfrage erfasste auch die persönlichen Naturerfahrungen der Befragten. Besitzten sie einen Garten? Wie oft gärtnerten sie? Bauten sie Gemüse an, und wenn ja, wie viel Platz beanspruchte es? Wie oft besuchten sie andere Grünflächen wie Parks oder Naturschutzgebiete? Anschließend untersuchte das Forschungsteam, ob diese Erfahrungen mit den Biophilie-Werten korrelierten, wobei Faktoren wie Alter, Geschlecht und die Tatsache, dass verschiedene Tiere naturgemäß unterschiedliche Reaktionen hervorrufen, berücksichtigt wurden.

Es zeigte sich ein klares Muster: Regelmäßiger Kontakt mit der Natur scheint die Einstellung der Menschen gegenüber Wildtieren zu verbessern. Menschen mit Garten zeigten insgesamt positivere Gefühle gegenüber Wildtieren als Menschen ohne Garten. Dies deutet darauf hin, dass allein der regelmäßige Zugang zu einem Garten dazu beitragen kann, dass sich Menschen mit den Tieren, die diesen Lebensraum mit ihnen teilen, wohler fühlen. In der gesamten Studie wiesen Menschen, die häufiger gärtnern und Grünflächen besuchen, tendenziell höhere Biophilie-Werte auf. Das bedeutet mehr Mitgefühl und Wertschätzung sowie weniger Angst und Ekel gegenüber den Tieren, denen sie begegnen.

Gartenbesitzer schnitten auch besser ab als Menschen ohne Garten, selbst wenn diese angaben, gerne einen Garten zu haben. Das ist bedeutsam, denn es deutet darauf hin, dass der Unterschied nicht einfach darin besteht, dass naturverbundene Menschen Häuser mit Garten bevorzugen. Vielmehr kann ein Garten selbst dazu beitragen, eine positivere Einstellung zur Tierwelt zu fördern. Der Effekt beschränkte sich nicht allein auf die Zeit, die mit Jäten oder Gießen verbracht wurde. Die Autoren argumentieren, dass Gärten deshalb so wichtig sein können, weil sie häufige und bedeutungsvolle Begegnungen mit der Natur ermöglichen – sei es durch das Beobachten von Vögeln, das Wahrnehmen von Insekten oder einfach durch die bewusstere Wahrnehmung der Lebewesen rund ums Haus.

Der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata), einer der in der Studie untersuchten natürlichen Feinde. Foto von Darius Baužys (Wikimedia Commons).

Die Ergebnisse zeigen auch, dass Gartenarbeit nicht immer gleich wirkt. Bei Gartenbesitzern führte ein größeres Gemüsebeet allein nicht generell zu mehr Naturverbundenheit. Für bestimmte Tiere spielte es jedoch eine Rolle. Gärtner mit größeren Gemüsegärten neigten dazu, natürliche Feinde von Schädlingen – also Arten, die Nutzpflanzen durch den Verzehr schädlicher Insekten schützen – positiver zu sehen. Dies deutet darauf hin, dass der Anbau von Lebensmitteln dazu beitragen kann, dass Menschen Arten wertschätzen, die wichtige ökologische Funktionen erfüllen, selbst wenn diese sonst übersehen würden.

Überraschenderweise wurden Gärtner jedoch nicht feindseliger gegenüber Schädlingen. Im Gegenteil, mehr Zeit im Garten zu verbringen, ging sogar mit etwas positiveren Gefühlen gegenüber Arten einher, die Nutzpflanzen schädigen können. Mit anderen Worten: Eine intensivere Beschäftigung mit dem Garten schien die Menschen nicht negativer gegenüber lästigen Wildtieren zu machen. Vielmehr machte sie sie möglicherweise vertrauter mit der Lebensgemeinschaft im Garten und steigerte ihre Toleranz ihr gegenüber.

Pieris rapae Larven, eine der in der Studie untersuchten Schädlingsarten. Foto von Lienyuan Lee (Wikimedia Commons).

Das hat Auswirkungen, die weit über den heimischen Garten hinausgehen. Häufigeres Gärtnern ging auch mit einer positiveren Einstellung zu Wirbeltieren einher, darunter Arten, die man normalerweise nicht in Gärten findet. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Naturerlebnisse im eigenen Garten nicht nur die Einstellung zu vertrauten Gartentieren verbessern, sondern auch eine breitere emotionale Offenheit gegenüber der Tierwelt fördern können. Die Autoren schlagen daher vor, dass der Zugang zu nahegelegenen Grünflächen die emotionalen Bindungen stärken kann, die den Naturschutz unterstützen, und dass Gemeinschaftsgärten oder gut gestaltete öffentliche Grünanlagen ähnliche Vorteile für Menschen ohne eigenen Garten bieten könnten.

Zusammenfassend lässt die Studie vermuten, dass die Stärkung des Naturschutzgefühls durch alltägliche Erfahrungen ebenso wichtig ist wie durch groß angelegte Naturschutzbotschaften. Gärten, Parks und andere städtische Grünflächen sind nicht nur eine angenehme Bereicherung. Sie können dazu beitragen, emotionale Bindungen zu schaffen, die die Akzeptanz von Wildtieren erhöhen und die Bereitschaft zum Naturschutz stärken. Dutertre und seine Kollegen entwerfen das Bild einer Zukunft, in der Städte nicht nur für Menschen, sondern auch für intensivere Begegnungen mit der Natur gestaltet werden. Wenn diese Begegnungen zu bewussterer Gartenarbeit und breiterer Unterstützung für den Naturschutz anregen, kann ein positiver Kreislauf entstehen, von dem sowohl die Menschen als auch die Biodiversität profitieren.

DIE ZEITUNG LESEN:

Dutertre QLachaise MGrünkohl BBaudry E. 2026. Kultivierung der Biophilie: Hausgärten fördern positive Emotionen gegenüber Wildtieren, wobei der Einfluss der Gartengestaltung von den ökologischen Funktionen der Arten geprägt ist. Mensch und Naturhttps://doi.org/10.1002/pan3.70283


Spanische und portugiesische Übersetzung von Erika Alejandra Chaves-Díaz

Titelbild: Gemeiner Igel (Erinaceus europaeus). Foto von PetroKaterynych (Wikimedia Commons).