Laut einem neuen Artikel von van der Kooi & Spaethe vergessen Botaniker möglicherweise, dass sie Blumen mit den falschen Augen betrachten. Sie sagen, Biologen müssten ihre Methode überdenken, die Sichtbarkeit von Blumen für Bestäuber zu messen. Forscher verwenden zwar schon seit langem komplexe Berechnungen auf der Grundlage der menschlichen Farbwahrnehmung, doch diese könnten eher verschleiern als beleuchten, wie Bienen und andere Insekten ihre Blumenziele tatsächlich sehen.

Sie argumentieren, dass Insekten bei der Blütenerkennung ein gestaffeltes Verfahren anwenden, bei dem je nach Entfernung unterschiedliche Sinne zum Einsatz kommen. In größerer Entfernung verlassen sie sich primär auf ihren Geruchssinn. Erst in der Nähe beginnen sie, visuelle Signale zu verarbeiten. Überraschenderweise wird das Farbsehen erst auf kürzeste Distanz aktiviert. Van der Kooi und Spaethe geben eine Entfernung von etwa 19 cm zu einer 5 cm großen Blüte an, ab der die Farbe einen Unterschied macht. Dies stellt die gängige Annahme in Frage, dass Insekten Blütenfarben über alle Entfernungen hinweg gleich wahrnehmen.

Diese stufenweise Wahrnehmung von Blumen unterscheidet sich grundlegend von der menschlichen Wahrnehmung. Für uns geht es bei Farbe um Farbton, Sättigung und Helligkeit. Van der Kooi und Spaethe argumentieren jedoch, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Insekten Farben tatsächlich so verarbeiten wie Menschen. Stattdessen empfehlen sie, sich auf einfachere, verhaltensbasiertere Maßnahmen zu konzentrieren, wie etwa den Farbkontrast zum Hintergrund und die tatsächlichen Entfernungen, in denen bei Bestäubern unterschiedliche visuelle Prozesse stattfinden.

Der Unterschied in der Wahrnehmung derselben Blume durch Insekten und Menschen bedeutet, dass unsere Farbvorstellungen nicht genau mit der Wahrnehmung einer Blume durch Insekten übereinstimmen. Ein blassgelbes Blütenblatt könnte lebendige ultraviolette Markierungen aufweisen, die wir nicht wahrnehmen. Ebenso könnten für ein Insekt leuchtende Farben aufgrund des schlechten Farbkontrasts untergehen und daher nicht als wichtig wahrgenommen werden. Da wir nicht das Ziel sind, sind die genetischen und strukturellen Faktoren, die zur Blütenfarbe führen, für Wissenschaftler nicht unbedingt leicht zugänglich. Stattdessen schlägt dieser Artikel vor, dass wir uns wieder sorgfältiger damit befassen müssen, wie sich Insekten tatsächlich verhalten, wenn sie in der Natur auf Blumen treffen, und ihren Hinweisen folgen müssen, um das Wesentliche zu erkennen.

van der Kooi, CJ, & Spaethe, J. 2025. Blütenfarbkontrast, „spektrale Reinheit“ und ein Ablenkungsmanöver. Plant Biology. https://doi.org/10.1111/plb.13767


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