Frankreich scheint die Heimat des Weins zu sein, aber das war nicht immer so. Weintrinken wurde ab etwa 600 v. Chr. Teil der Kultur in der Region, als die alten Griechen eine Kolonie namens Massalia (das heutige Marseille) im Süden Frankreichs gründeten. Von hier aus verbreitete sich der Weinkonsum ins Landesinnere Frankreichs, aber wie? Bouby und Kollegen untersuchten die Formen von über 19,000 alten Traubenkernen von Standorten in ganz Frankreich, um es herauszufinden.
Bouby und seine Kollegen stellten zwischen der Bronze- und der Eisenzeit eine dramatische Veränderung der Samenform fest, was mit einem verstärkten Handel Südfrankreichs mit anderen Mittelmeerkulturen zusammenfällt. Die geschätzte Größe der Beeren nahm während der Eisenzeit stark zu und erreichte ihren Höhepunkt in der Römerzeit. Frühe französische Weinberge enthielten eine Mischung aus ost- und westeuropäischen Rebsorten. Sie stellten auch fest, dass wilde Weinreben in frühen Weinbergen noch weit verbreitet waren, was auf anhaltende Domestizierungsprozesse hindeutet.
Die Forscher analysierten Form und Größe der Kerne alter Trauben mithilfe von bildgebenden Verfahren und statistischen Methoden. Anschließend verglichen sie die alten Kerne mit einer Referenzsammlung moderner wilder und kultivierter Rebsorten. So konnten sie feststellen, ob die Kerne von wilden oder kultivierten Rebsorten stammten, und unterschiedliche Sortengruppen identifizieren.
Diese Studie bietet den bisher umfassendsten Einblick in die Entwicklung der Rebsorten im Laufe der Zeit im alten Frankreich. Sie zeigt, wie sich der Weinbau von den Mittelmeerregionen bis nach Nordfrankreich ausbreitete und die Sorten an neue Klimazonen anpassten. Sie zeigt auch, dass die Menschen, die den Weinbau übernahmen, dabei keineswegs passiv waren. Die Mischung der Rebsorten zeigt komplexe Prozesse des Handels, der Migration und der lokalen Anpassung.
Trotz Tausender registrierter Sorten stellt die derzeitige Vielfalt an kultivierten Rebsorten möglicherweise nur einen Bruchteil der früheren Vielfalt dar, die sich allmählich auf Elitesorten mit engen elterlichen Beziehungen konzentrierte. Untersuchungen in historischen Weinbaugebieten können das Ausmaß der alten Vielfalt in traditionellen Agrarsystemen aufdecken, darunter bekannte regionale und ausländische Sorten sowie bisher unbekannte Sorten, die aus Samen gezogen oder kultiviert wurden. V. sylvestris Pflanzen.
Bouby, L., Bonhomme, V., Ivorra, S., Bacilieri, R., Ben Makhad, S., Bonnaire, E., … & Terral, JF (2024). Morphometrische Analysen von Samen entschlüsseln die Evolutionsgeschichte der Weinrebe in Frankreich. Scientific Reports, 14(1), 22207. https://doi.org/10.1038/s41598-024-72692-6 (OA)
